Fachverband
Skandinavistik


Abgeschlossene Dissertationsprojekte:


Dr. Sixt Wetzler

Combat in Saga Literature. Traces of Martial Arts in Medieval Iceland

Ort:
Tübingen

Betreuer:
Prof. Dr. Stefanie Gropper

Kontakt:
sixt.wetzler@googlemail.com

Abstract:
In Ermangelung einer starken zentralen Exekutivgewalt liegt es im mittelalterlichen isländischen Freistaat beim Einzelnen, seine physische, Ökonomische und soziale Integrität zu verteidigen. Gewalt ist als dauerhafte Bedrohung einerseits, als Handlungsoption andererseits Teil der Lebenswirklichkeit. Gleichzeitig bleibt das Männlichkeitsideal des kampfstarken Kriegers auch nach der Christianiserung bestehen. Vor diesem Hintergrund stellt die Dissertation die Frage, wie im mittelalterlichen Island gekämpft wurde, und ob der Umgang mit Waffen systematisch trainiert wurde, wie es aus anderen europäischen Ländern seit dem Hochmittelalter belegt ist.

Methodischer Ausgangspunkt der Untersuchung ist die altisländische Literatur. Die unterschiedliche Zielsetzung der Kampfdarstellungen verschiedener Genres wird untersucht, im Folgenden aus den Beschreibungen in den islendinga sögur wiederkehrende Muster herausgefiltert und einzelne, markante Szenen besprochen.
Die gewonnenen Ergebnisse werden dann nicht nur anderen inner- und außerisländischen literarischen Erzeugnissen gegenüber gestellt, sondern auch mittelalterlichen isländischen Waffen- und Knochenfunden, um das Thema umfassend zu untersuchen.
In einem dritten Teil wird die bis hierhin erarbeitete Synthese der Erkenntnisse aus mittelalterlichen europäischen Quellen abgeglichen mit der Geschichte und Praxis indonesischer und philippinischer Kampfkänste, weiterhin auch mit experimentalarchäologischen Versuchen mit Repliken zeitgenössischer Waffen.
ܜber die Beantwortung ihrer historischen Fragestellung hinaus hofft die Arbeit, den beteiligten Disziplinen neue Erkenntnisse für die Beurteilung z.B. von Kampfszenen in der Literatur, von Waffen- oder Knochenfunden bereitstellen zu können. SchlieÃßlich versteht sie sich auch als Versuch in "historischer Hoplologie" als einer bisher zwar angedachten, aber nie verwirklichten Wissenschaft vom menschlichen Kämpfen.

Eine längere Zusammenfassung des Vorhabens wird demnächst veröffentlicht in der Zeitschrift des Arbeitskreises für Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit (Ausgabe 2/2010): http://www.amg-fnz.de/

 

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