Letzte Aktualisierung: 09.05.12
Fachverband
Skandinavistik


Laufende Dissertationsprojekte:


Nicole Schmidbauer

Ambivalenz und Unentscheidbarkeit: Mutterschaft als poetologische Problematik in Texten skandinavischer Autorinnen der Gegenwart

Betreuer:
Prof. Dr. Annegret Heitmann

Ort:
München

Kontakt:
nicole@schmidpower.de

Abstract:
Die Arbeit geht der Frage nach, wie bestimmte Vorstellungen von Weiblichkeit die Entstehung von Texten skandinavischer Autorinnen beeinflussen. Als theoretischer Ausgangspunkt dient der abendländische Subjektdiskurs, der in seiner klassischen Ausformung Weiblichkeit dem Objektbereich des Subjekts zuordnet. Das innere Paradox des Subjekts bildet dabei die Mutterschaft: Indem sie den Subjektausschluss der Frau begründet, legt sie zugleich eine analoge Verflechtung von Weiblichkeit mit Mutterschaft offen. Mutterschaft kann demzufolge als eine Schwellenfigur des Weiblichen im Kontext der kulturellen Selbst-Bestimmung des Menschen verstanden werden. Sie veranschaulicht die „paradoxe Einheit der semantischen Unterscheidung Natur/Kultur“ (Wellberry 2002, 13) ebenso wie die Ambivalenz kultureller Schöpfungsversuche, die für das schriftstellerische Selbstverständnis weiblicher Autoren nachhaltige Konsequenzen hat. So lässt sich zum Beispiel bezogen auf die Vorstellung eines weiblichen Subjekts in den Reflexionen der Philosophinnen, die als theoretischer Bezugspunkt der Arbeit dienen, ebenfalls eine gewisse Widersprüchlichkeit in der Auseinandersetzung mit Mutterschaft ausmachen: Simone de Beauvoir klassifiziert die Mutter als Kerkermeisterin, Julia Kristeva essentialisiert Mutterschaft als Gattungsbegehren und Judith Butler attestiert, dass Mutterschaft eine Zwangskonstruktion des weiblichen Körpers bildet. An drei exemplarischen Texten von Gabriella Håkansson, Helle Helle und Hanne Ørstavik soll jedoch gezeigt werden, dass sich dieses Verständnis von Mutterschaft nicht generalisieren lässt. Die genannten Schriftstellerinnen verstehen Mutterschaft nämlich keineswegs als essentialistischen Gegenpol von Intellektualität und Autorschaft. Vielmehr wird sie dem direkten analytischen Zugriff immer wieder bewusst entzogen. In Kontrast dazu werden drei exemplarische Texte der 1970er Jahre gestellt, um die in den Gegenwartstexten der 1990er und 2000er Jahre vollzogene Konzeptverschiebung aufzuzeigen. Die zentrale These der Arbeit lautet, dass sich die Zwiespältigkeit, die Mutterschaft im Zusammenhang mit schriftstellerischer Subjektivität ausdrückt, als eine poetologische Grundproblematik weiblichen Schreibens lesen lässt. Nachgewiesen werden soll dies in einer theorieinduzierten Textanalyse anhand der durch den Text vollzogenen Subjektivierungsstrategien.

 

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