Letzte Aktualisierung: 09.05.12
Fachverband
Skandinavistik


Laufende Dissertationsprojekte:


Christian Rebhan

EU-Skeptizismus im Nordatlantik

Betreuer:
Prof. Dr. Bernd Henningsen / Prof. Dr. Baldur Thorhallsson

Ort:
Humboldt-Universität zu Berlin / Háskóli Íslands

Kontakt:
ch.rebhan@gmail.com

Abstract:
Mit Norwegen, Island, Grönland und den Färöer-Inseln steht die gesamte Nordatlantikregion einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU) skeptisch gegenüber. Als einer der Hauptgründe für diesen Sonderweg galt bisher ihr fehlendes wirtschaftliches Interesse an einem EU-Beitritt. Diese Dissertation stellt diesen Erklärungsansatz in Frage. Argumentiert wird anhand einer poststrukturalistischen Außenpolitiktheorie, dass die Unvereinbarkeit wirtschaftlicher Interessen mit einer EU-Mitgliedschaft nicht selbstverständlich ist, sondern im öffentlichen Diskurs konstruiert wird. Zur Untersuchung dieser Hypothese werden existierende Fallstudien zu Norwegen und Island aufgegriffen und auf Grönland und die Färöer-Inseln ausgeweitet. Im Forschungsfokus steht die Konstruktion wirtschaftlicher Argumente für und gegen einen EU-Beitritt in den europapolitischen Diskursen in den 1960er Jahren, nach Ende des Kalten Krieges und seit Islands EU-Mitgliedschaftsantrag im Sommer 2009. Ziel der Dissertation ist es, aufzuzeigen, dass die nationale Identität der Nordatlantikstaaten die Konstruktion wirtschaftlicher Interessen begünstigt, die für sie von besonderer Bedeutung sind, während das Eintreten für alternative wirtschaftliche Interessen, die eine verstärkte europäische Integration erfordern, erschwert wird. Demnach wird der Fischereisektor nicht aufgrund wirtschaftlicher Bedenken, sondern als Symbol nationaler Identität und Unabhängigkeit, zum Hindernis für einen EU-Beitritt. Mit dieser Untersuchung leistet die Dissertation einen Beitrag zum besseren politischen Verständnis einer kaum erforschten Region und entlarvt die oft bemühte Rationalität wirtschaftlicher Interessen als ein Konstrukt der nationalen Identität. Solange diese den EU-Skeptizismus in Norwegen, Island, Grönland und den Färöer-Inseln weiterhin wirtschaftlich legitimiert, ist ein Ende des nordatlantischen Sonderwegs nicht in Sicht.

 

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