Marcel
Schmutzler
Die norwegische Friedensdiplomatie
in internationalen Konflikten
Kontakt:
MWSchmutzler@aol.com
Rigorosum:
12.07.2007 an der
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Abstract:
Während norwegische Politiker in den letzten Jahren immer
wieder den Anspruch eines „humanitären Großmachtstatus“
postulierten und ihr Land als „Friedensnation“ begreifen
wollten, steht eine umfassende systematische Untersuchung der
norwegischen Friedenspolitik, wie sie beispielsweise in Entwicklungszusammenarbeit,
Teilnahme an Operationen der Vereinten Nationen oder der Vergabe
des Friedensnobelpreises ihren Ausdruck findet, bisher aus. Seit
dem Ende des Kalten Krieges entwickelte Norwegen darüber
hinaus eine aktive Rolle als Vermittler in zahlreichen Konflikten
in aller Welt, von Guatemala über den Nahen Osten bis Sudan
und Sri Lanka. Dieses Engagement kann als bisheriger Höhepunkt
der norwegischen Friedenspolitik betrachtet werden. Doch welchen
Einfluß kann und konnte Norwegen als Kleinstaat tatsächlich
auf die betreffenden Friedensprozesse ausüben? Von welchen
inneren und äußeren Faktoren wird das norwegische Engagement
bestimmt? Eine theoriegeleitete vergleichende Untersuchung der
norwegischen Vermittlungsinitiativen seit 1990 soll versuchen,
zur Beantwortung dieser Fragen beizutragen. Dazu wird die gegenwärtige
Friedensdiplomatie auf der Spur einer bisher nur angenommenen
„norwegischen Friedenstradition“ auch in den weiteren
Kontext der Geschichte der norwegischen Außenpolitik seit
der Unabhängigkeit 1905 gesetzt. Im Mittelpunkt der Untersuchung
steht die Frage nach der Zusammenarbeit staatlicher und zivilgesellschaftlicher
Akteure (Hilfsorganisationen und Forschungsinstitute), wie sie
in der Tradition eines in zahlreichen Politikfeldern anzutreffenden
„nordischen Korporatismus“ mit dem Begriff des „Norwegischen
Modells“ gekennzeichnet wurde. Ein systematischer Vergleich
der genannten norwegischen Friedensinitiativen zeigt, ob mit Recht
von einem solchen Modell – im Sinne einer durchdefinierten
Strategie – gesprochen werden kann und wie es sich in der
Realität darstellt. Zuletzt wird die Frage behandelt, was
andere Akteure der Friedensdiplomatie von den norwegischen Bemühungen
lernen können.
Kurzbiographie:
geb. 1978 in Herdecke; 1998-2007 Studium der Politikwissenschaft,
Neueren und Neuesten Geschichte (bis 2004) und Nordischen Philologie
an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster;
2004 M.A.; mehrere Studien- und Forschungsaufenthalte in Bergen
und Oslo, darunter zuletzt als Gastforscher am Forum für
Zeitgeschichte des Instituts für Archäologie, Konservierung
und Historische Studien der Universität Oslo; Studien- und
Forschungsschwerpunkte: Friedens- und Konfliktforschung, Entwicklungspolitik.
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