Vera
Johanterwage
Zur
Rezeption und Bearbeitung des Barlaam und Josaphat-Stoffes
im mittelalterlichen Skandinavien
Kontakt:
vejohant@uni-muenster.de
Abstract:
Im Zentrum meiner Untersuchung steht die im Mittelalter weit verbreitete
Legende von Barlaam und Josaphat, die ihren Ursprung letztlich
in der Buddha-Legende hat. Anhand der Überlieferungsgeschichte
wird aufgezeigt, wie ein ursprünglich rein religiöser
Text durch das Einfügen weltlicher Elemente neuen Rezipientenkreisen
erschlossen wurde. Der Vergleich mehrerer volkssprachlicher Ausformungen
eröffnet Einblicke in den mittelalterlichen 'Übersetzungsbetrieb',
die Vermittlungswege geistlicher und weltlicher Ideale und die
Funktion lehrhafter Literatur. Die älteste nordische Bearbeitung
liegt mit der altnorwegischen Barlaams ok Josaphats saga vor,
die um 1250 am Königshof in Bergen entstanden ist. Hákon
IV. Hákonarson (reg. 1217-1263) förderte die Übertragung
kontinentaleuropäischer Texte ins Altnordische, um höfische
Ideale zu propagieren. Eines der Ziele meiner Analyse ist es,
die Funktion der Barlaams saga innerhalb dieses Kultur- und Bildungsprogramms
zu beleuchten, insbesondere in Hinblick auf die Verbreitung religiöser
Wertvorstellungen und höfischer Normen (Umgang mit der Gattung
Legende, Stilbildung, gemeinschaftsstiftende Funktion höfischer
wie auch religiöser Literatur, Untersuchung des literarischen
Milieus, Verhältnis zu zeitgleichen Texten wie Konungs skuggsjá
und Stjórn). Die textinterne Gewichtung religiöser
und weltlicher Lehre und die Darstellung vorbildlichen christlichen
Handelns einerseits, idealer Herrschaft andererseits sollen auch
vor dem sozialgeschichtlichen Hintergrund bewertet werden. Auch
bei der Untersuchung der schwedischen und isländischen Bearbeitungen
des Stoffes stehen das Entstehungsumfeld und das Verhältnis
von religiöser und weltlicher Normsetzung im Mittelpunkt.
So kann die Untersuchung des Barlaam-Stoffes einen Beitrag zum
besseren Verständnis der Wirkung geistesgeschichtlicher Einflüsse
im mittelalterlichen Skandinavien leisten.
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