Dr.
Bernadette Golinski
Kommunikationsstrategien
in interskandinavischen Diskursen.
(PHILOLOGIA - Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Bd.
95)
Hamburg 2007, 372 Seiten
ISBN: 978-3-8300-2522-1
Weiter Informationen zu dieser Publikation gibt es hier.
Disputation:
März 2006 an der
Universität Hamburg
Kontakt:
bergol@web.de
Abstract:
In dieser Studie werden Kommunikationsstrategien beschrieben und
analysiert, die Skandinavier in Gesprächen mit anderen Skandinaviern
verwenden, wenn jeder seine eigene Muttersprache spricht. Im Mittelpunkt
der Analyse stehen Diskurse zwischen Schweden und Dänen sowie
Dänen und Norwegern. Die Sprachen Dänisch, Schwedisch
und Norwegisch weisen aufgrund ihrer parallelen geschichtlichen
Entwicklung sehr viele typologische und genetische Ähnlichkeiten
auf. Diese Ähnlichkeiten ermöglichen eine direkte Verständigung
zwischen den
Sprechern, so dass das Hinzuziehen eines Dolmetschers oder der
Gebrauch einer lingua franca sich erübrigen. Die Gesprächsteilnehmer
verstehen die Nachbarsprache, bedienen sich aber nur ihrer eigenen
Muttersprache. Sie sind also rezeptiv mehrsprachig. Eine Kommunikation,
die unter diesen Bedingungen stattfindet, wird als Semikommunikation
definiert.
Charakteristisch
für die Semikommunikation ist, dass sie als problematisch
betrachtet wird. Trotz weit gehender Ähnlichkeiten gibt es
auch einige Differenzen und die Ähnlichkeiten können
sich zuweilen auch als trügerisch erweisen. Folglich müssen
sich die Gesprächspartner -
im Vergleich zu der monolingualen Kommunikation - mehr um Verständigung
bemühen.
Somit
hängt der Kommunikationserfolg in der Semikommunikation davon
ab, inwieweit die Gesprächsteilnehmer auftretende oder potenzielle
sprachliche Probleme beseitigen können. Dazu bedienen sie
sich unterschiedlicher Kommunikationsstrategien. Diese beinhalten
Mittel
und Prozeduren, die dem Sprecher bei der Realisierung seines kommunikativen
Ziels helfen. Gleichzeitig haben sie einen interaktiven Charakter,
weil sie der Überbrückung von Wissenslücken seitens
des Rezipienten dienen. Der Hauptgedanke, auf dem diese Studie
auf-
baut, ist, dass gerade die Verwendung von Kommunikationsstrategien
eine Verständigung zwischen Skandinaviern ermöglicht.
In Anlehnung an weit verbreitete Empfehlungen für die Semikommunikation,
die von internordischen sprachlichen Institutionen formuliert
wurden, wird auf Kommunikationsstrategien wie Wiederholungen,
Umschreibungen und den Gebrauch von Slang und Abkürzungen
eingegangen. Das Herzstück der Studie bildet jedoch eine
Strategie, die bisher nicht im Zusammenhang mit der Semikommunikation
thematisiert wurde. Dabei handelt es sich um das Codeswitching
in die Nachbarsprache. Aufgrund der Ähnlichkeiten der Sprachen
würde man das Switchen nicht erwarten und doch kommt es häufig
vor. Anhand der Analyse wird aufgezeigt unter welchen Bedingung
sich Sprecher des Codeswitchings bedienen und welche Funktionen
es erfüllt.
Im
Großen und Ganzen wird in dieser Studie dargelegt, wie die
Semikommunikation funktioniert, welche Probleme auftauchen können
und wie Gesprächsteilnehmer Verständigung etablieren.
Damit kann dieses Buch als Grundlage dienen für die Erforschung
der Verständigung zwischen Sprechern anderer eng verwandten
Nachbarsprachen wie z.B. der slawischen oder romanischen Sprachen.
In einem mehrsprachigen Europa, dessen innerstaatliche Grenzen
immer mehr ver-
schmelzen, wird gerade die rezeptive Mehrsprachigkeit zunehmend
an Bedeutung gewinnen, weil sie mit einem vergleichsweise geringen
Einsatz Verständigung ermöglicht.
Schlagwörter:
Semikommunikation, Interkomprehension, Kommunikationsstrategie,
Codeswitching, Verständigung, Akkomodation, Rezeptive Mehrsprachigkeit,
Skandinavien
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