Ines
Galling
Inszenierungen des Nordens. Henrik Ibsens und Jon Fosses Dramen
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inesgalling@web.de
Abstract:
Die beiden norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen (1828-1906) und
Jon Fosse (*1959) setzen in ihren Dramen den Norden - eine Landschaft,
die durch fjell, fjord og hav geprägt ist und als typisch
nördlich empfunden wird - in Szene. Mit der Darstellung des
Nordens greifen Ibsen und Fosse ein populäres, bereits mit
einer Vielzahl an Konnotationen verknüpftes Motiv auf. Daher
wird zum einen analysiert, auf welche bestehenden Topoi und Stereotype
sie bei den Inszenierungen des Nordens rekurrieren und wie sich
der Umgang mit dieser Tradition gestaltet. Zum zweiten soll geklärt
werden, welche Rolle den Inszenierungen des Nordens als bedeutungskonstituierende
Größe nicht nur im textimmanenten Kontext, sondern
durch ihre Rezeption auch in außerästhetischen Zusammenhängen
zukommt. Die literarischen Entwürfe vom Norden können
für verschiedene Konzepte genutzt werden. Besonders wichtig
erscheinen hier der Prozess des norwegischen nation building und
die stetig relevante Frage nach der Wahrung nationaler und kultureller
Identität. Weiterhin werden die Inszenierungen des Nordens
als indizierende Symptome im Kontext übergreifender Dramenästhetiken
untersucht: Die divergenten Inszenierungsstrategien, die Ibsen
und Fosse verfolgen, deuten auf eine differente Nutzung der dramatischen
Kommunikationsebenen und damit auch auf ein gewandeltes Text-
und Genreverständnis im Allgemeinen hin. Die Inszenierungen
des Nordens verweisen über das Textuniversum hinaus modellhaft
auf die allgemeine und stetige Umbruchssituation in und seit der
'Moderne', in deren Kontext die Dramen stehen und den sie inhaltlich
und strukturell reflektieren.
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