Sabrina
Broocks
"Der
aabnes en Dør." The Function of the Anglo-American
Reference Frame for the Development of Danish Early Modernist
Poetry. (Arbeitstitel)
Kontakt:
sabrina.broocks(at)skandinavistik.uni-freiburg.de
Betreuer:
Prof. Dr. Heinrich Anz
Abstract:
Für die Entwicklung der dänischen Moderne ist das Element
einer poetischen Kraft von zentraler Bedeutung. Bereits bei Georg
Brandes wird Literatur über eine Rhetorik des Starken und
Schwachen, des Lebendigen und Unlebendigen, des Fortschritts und
des Stillstands als Kraft- oder auch Machtfeld definiert. Den
dynamischen Prozessen innerhalb dieses Feldes liegt hier jedoch
noch eine Energiequelle zugrunde, die von außen auf das
Medium Literatur einwirkt. Im literarischen Aufbruch des fin-de-siècle
findet dann ein Paradigmenwechsel statt; die Literatur wird nun
ganz aus sich selbst heraus zu einer dynamischen, lebensgestaltenden
Kraft. Ihr adäquates Medium findet die Dichtergeneration
des fin-de-siècle in einem spezifischen literarischen Genre,
nämlich der Lyrik. Dieser Entwicklung liegt insbesondere
auch eine spirituelle Intention zugrunde, die im Kontext einer
zunehmend industrialisierten und technisierten Lebenswelt zu sehen
ist. Die hier erlebte Erfahrung von Entfremdung, verlorener Authentizität
und Lebendigkeit scheint in einer ästhetischen Lebenspraxis
aufhebbar zu sein. Die sich aus der Dichtung heraus entfaltende
Kraft erschafft einen spirituellen Raum, der stärker ist
als sie selbst – es entsteht ein Kraftraum, in den der Dichter
hineintreten kann. Auch dem eingeweihten Leser eröffnet sich
dieser Zugang. Die Literatur übernimmt so eine Aufgabe, mit
der sowohl die gesellschaftliche Lebenswelt als auch das historische
literarische Feld der Epoche überfordert sind. Diese spirituelle
Intention der Lyrik des dänischen fin-de-siècle und
die ihr geschuldeten ästhetischen Innovationen werden besonders
deutlich, wenn sie in einen europäischen Kontext gestellt
und nicht nur auf die deutsche, sondern vor allen Dingen auch
auf die angloamerikanische Tradition von Shelley, Byron und Poe
bis hin zu Whitman bezogen werden.
Die methodische Grundlage dieser Arbeit bilden literarische und
poetologische Texte von u.a. Georg Brandes, Johannes Jørgensen,
Sophus Claussen, Johannes V. Jensen und Otto Gelsted, sowie von
P.B. Shelley, Lord Byron, Edgar Allan Poe und Walt Whitman. Auch
Texte aus dem Bereich der Literaturkritik sowie Übersetzungen
fremdsprachiger Texte werden in diesem Kontext auf ihre programmatische
Funktion hin zu untersuchen sein.
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